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Der Rufbus – ein Erfolgsmodell?

Für Bürgermeister Hetzl ist der Rufbus ein voller Erfolg. Er verweist auf steigende Fahrgastzahlen und eine hohe Nutzerzufriedenheit. Zugegeben, es ist angenehm, mit dem „Innliner“ individuell von A nach B gebracht zu werden. Aber: Alles hat seinen Preis – und zwar nicht nur für die Fahrgäste!

Was muss die Stadt für den Rufbus zahlen? Diese Frage stellte Heidi Kückelhaus als Vertreterin unserer Initiative am 14. Januar 2026 in der Bürgerversammlung. Leider konnte oder wollte der Bürgermeister diese Frage nicht beantworten –  auch nicht nach schriftlicher Nachfrage. So haben wir uns selbst auf die Suche nach Informationen begeben:

Im Haushaltsplan 2025 waren 850.000 Euro für den ÖPNV veranschlagt, und es wurden insgesamt nach Angaben des Bürgermeisters ca. 43.150 Personen befördert. Daraus ergeben sich für das vergangene Jahr Kosten von 19,72 Euro pro Fahrgast und Fahrt – deutlich mehr als eine normale Taxifahrt im Stadtgebiet! Selbst wenn die geplanten Mittel nicht voll ausgegeben wurden und die Kosten pro Fahrt durch den Einsatz eines fünften Busses 2026 etwas fallen dürften, bleibt immer noch ein stolzer Betrag, den wir Steuerzahler*innen für jede Fahrt im Rufbus berappen.

Können und wollen wir uns das leisten?

Die folgenden Grafiken zeigen im Detail, wie stark die Kosten gegenüber dem Linienbetrieb gestiegen sind, während die Zahl der beförderten Fahrgäste erheblich zurückgegangen ist.

Fahrgastzahlen pro Halbjahr im Linienbus (bis Juni 2024)
und im Rufbus (ab 2. Hj. 2024)

Kosten pro Fahrgast und Fahrt im Linienbus (bis Juni 2024)
und im Rufbus (ab 2. Hj.2024)

Quellen: Recherchen von Stadtrat Dr. Gafus auf der Basis von Ticketverkäufen /ÖPNV-Berichte auf der Verkehr-Seite der Stadt Mühldorf /Präsentation von Bgm. Hetzl auf der Bürgerversammlung am 14.1.26

Linienbus viel leistungsfähiger

Dass ein Linienbus-System für eine dichtbesiedelte Stadt wie Mühldorf die bessere Lösung ist, zeigt das Beispiel Burghausen. Dort wurden nach einem Zeitungsbericht 2024 mit einem ähnlichen Betrag (860.000 Euro) zehnmal so viele Fahrgäste (450.000) befördert wie in Mühldorf im letzten Jahr– mit einem Linienbus im Halbstundentakt, ergänzt durch einen Rufbus in Randgebieten. Linienbusse sind effizienter und umweltfreundlicher, weil sie einzelne Fahrten besser bündeln können. Außerdem fahren sie zuverlässig im Takt, ohne dass man sich um jede einzelne Fahrt kümmern muss, und sie bieten bessere Barrierefreiheit.

War der Rufbus alternativlos?

Bürgermeister und Verwaltung argumentieren, die Entscheidung für den Rufbus sei alternativlos gewesen, weil sich bei der Ausschreibung eines neuen Linienbussystems kein Anbieter gefunden habe.

Wir meinen dagegen, dass die Entscheidung für den Rufbus im April 2023 überstürzt getroffen wurde. Nach der ergebnislosen Ausschreibung hätte man z.B. mit Busunternehmen der Region sprechen können, um die Gründe zu erfahren, die sie an der Abgabe eines Angebotes gehindert haben. Eine Fortführung im „Notbetrieb“ (wie sie dann ja auch geschah) wäre weiterhin möglich gewesen. Die Stadt hätte in dieser Situation eine neutrale fachliche Beratung durch ÖPNV-Experten in Anspruch nehmen sollen. Stattdessen hat man sich auf die unseriösen Versprechungen der Firma ioki verlassen, die behauptete, mit zwei oder allenfalls drei Fahrzeugen könne man den gesamten ÖPNV-Bedarf von Mühldorf abdecken – was von vornherein sehr zweifelhaft war.

Die Entscheidung für den Rufbus war also ein Fehler (siehe auch unsere frühere Stellungnahme).Was uns vor allem stört, ist, dass der Bürgermeister Fehler nicht eingesteht, sondern den extrem teuren und ineffizienten Rufbus weiterhin als Erfolg darstellt. Leider ist Mühldorf für die nächsten 4 Jahre an den Vertrag mit der Firma Via gebunden. Rasche Nachbesserungen, vor allem für den vom Linienbetrieb abgehängten Norden der Stadt, wären aber wünschenswert, ebenso die Integration in die MVV-App (die auch jetzt schon möglich wäre, wenn die Stadt den Auftrag dazu gibt).

Vor allem aber muss die Stadt die Weichen rechtzeitig neu stellen für ein leistungsfähiges, preiswertes und zuverlässiges ÖPNV-Angebot nach 2030. Dies kann nur ein Linienverkehr mit festen Takten (und Ergänzung durch Rufbusse) sein.

Gute Entscheidungen brauchen Transparenz und ehrliche Zahlen!

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